AXPO Energy Report 2026

Vor einige Woche hat AXPO Ihre in der Presse viel beachtete Studie „AXPO Energy Reports 2026“ publiziert.

How Switzerland can secure its electricity supply

The Axpo Energy Reports provide a comprehensive knowledge base on the future of Switzerland’s electricity supply. They explore how the growing demand for electricity can be met – especially in winter, when consumption is high and production is low.

Diese Studie enthält einen Ausblick zu Wind, Kernenergie, Gas und Photovoltaik und kommt zu folgendem „Kurz-Schluss“: „A smart mix is the solution“.

Axpo has examined in detail under which conditions and at what cost they can produce more electricity in winter.

Um den Resultaten dieser Studie auch noch eine externe Legitimation zu verleihen, schreibt die AXPO:

Analyses by external institutions

The Axpo Energy Reports are the result of extensive analytical work by around 50 experts from all Axpo business areas, as well as collaboration with external institutions such as ETH Zurich and the Paul Scherrer Institute.

Und natürlich ist auch ein hochkarätiger Beirat (Advisory Board) mit dabei, um dieser Studie gegenüber den Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik ein möglichst hohes Gewicht zu verleihen.

Hatte dieser Beirat (z.B. der Director des Energy Science Centers der ETHZ) überhaupt die Möglichkeit, diese Resultate auch mit dem eigenen Wissen zu vergleichen und auch Einfluss auf den Report zu nehmen oder diente dieser Beirat nur der Dekoration?

Der Tagi kommt am 10.4.2026 in seiner Würdigung zu folgendem „Kurz-Schluss“ im Titel:

Hohe Produktionskosten

Solarstrom ist gemäss umfassender Axpo-Studie «bei weitem am teuersten»

Gemäss neuen Berechnungen wird Solarstrom mit versteckten Subventionen gefördert – das benachteilige Mieter. Swissolar-Chef Jürg Grossen wehrt sich.

Und die 3 Autoren der NZZ fassen die Ergebnisse am 24.43.2026 so zusammen:

Neue AKW oder Wind und Gas:

Laut der Axpo muss sich die Schweiz entscheiden

Mache die Schweiz weiter wie bisher, sei die Versorgung mit Strom gefährdet – mit enormen Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft. So lautet das Fazit einer umfassenden Studie. Sie schlägt zwei Szenarien vor, mit denen sich die Stromlücke im Winter schliessen liesse.

Die grosse Arbeit die in dieser Auslegeordnung & Analyse durch die AXPO geleistet worden ist, ist gundsätzlich sehr zu begrüssen der AXPO gebührt dafür ein grosses „Danke“. Die öffentliche Publikation der Studie erlaubt auch unbeteiligten Dritten einige Einblicke.

Eine Diskussion der präsentierten Ergebnisse und eine unabhängige Prüfung wäre jedoch ebenfalls wichtig. Erstaunlich, dass diese Studie in diesem Forum bisher noch nicht diskutiert worden ist.

Swisssolar schrieb am 23.3.2026 als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie:

Axpo-Studie bestätigt zentrale Rolle der Photovoltaik, unterschätzt aber weiterhin das Potenzial

Von der Energiestiftung SES ist am 24.3.2026 zu lesen:

Axpo Energy Reports: Eigeninteressen, zweifelhafte Methodik, verzerrte Grundannahmen und unterschätzte Erneuerbare

Die heute präsentierten Energy Reports sind von Eigeninteressen der Axpo als Stromversorgungsunternehmen geprägt. Die boomende Photovoltaik auf Infrastrukturen, Speicher, Effizienzgewinne und Verbrauchssenkungen werden unterschlagen. Methodische Schwächen führen zu Grundprämissen, die Erneuerbare systematisch benachteiligen und neue Atomkraftwerke in Fokus rücken lassen.

Und der WWF schreibt in seiner Medienmitteilung vom 26.3.2026:

WWF-Kommentar zu den Axpo Energy Reports: Abwiegeln statt Umsetzen?

Erneuerbare Energien sind die Zukunft für eine sichere und günstige Schweizer Stromversorgung. Das bestätigen die heute publizierten Energy Reports der Axpo. Das Stromversorgungsunternehmen empfiehlt im Grundsatz ein Szenario, das primär auf den Ausbau der Erneuerbaren setzt, knüpft dies jedoch an Bedingungen und hält sich gleichzeitig weitere Optionen offen. Der WWF begrüsst, dass sich die Axpo verstärkt an der Energiewende beteiligen will. Um jedoch vom Abwiegeln ins Umsetzen zu kommen, wäre eine klare, unmissverständliche Selbstverpflichtung erforderlich.

Die Axpo-Studie reiht sich ein in eine Vielzahl von Analysen von Beratungsunternehmen, Bund, ETH und Universitäten und Verbänden mit jeweils unterschiedlichem Fokus und Absicht. Wie üblich bei Studien hängt das Ergebnis auch davon ab, welche Annahmen gemacht oder eben nicht gemacht werden.
Dabei beurteilt der WWF mehrere Annahmen kritisch, insbesondere zu den Kosten einzelner Technologien. Gas- und Atomstrom werden auffällig günstig ausgewiesen, während die bedeutenden privaten Investitionen seit 2017 in die Energiewende unterschätzt werden. Zur Einordnung der vorliegenden Resultate hat der WWF einen Fragenkatalog verfasst: 25 Fragen zu den Axpo Energy Reports.

Auf den Webseiten von SSES und VESE konnte ich bis heute noch keinen Kommentar zu dieser AXPO Studie finden. Ist da noch etwas Substanzielles in der Pipeline?

Aus meiner Sicht stellen sich mehrere Fragen:

  1. Berechnungsmodell
    Ich konnte das darunterliegen Berechnungsmodell der AXPO nirgends finden. Die im Bericht aufgeführten Zahlen für die Netzkostenumlage sind zwar grob beschrieben, aber deren Herleitung ist nicht transparent ausgewiesen. Die vollständige Publikation des Berechnungsmodells würde eine Plausibilisierung durch unabhängige Energie-Experten sowie eine öffentliche Diskussion über die von der AXPO getroffenen Annahmen ermöglichen.

  2. Kosten der Energeinetze
    Im publizierten Dokument „Auswirkungen der Energieszenarien auf die Verteilnetze (Kurzfassung)“ der Forschungsstelle Energienetze ETH Zürich (FEN), im Auftrag der AXPO vom 24.3.2026 ist unter Ziffer 3.6 zu lesen:

Die annualisierten Kosten werden anhand eines Annuitätenansatzes ermittelt. Dieser basiert auf
einem gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz (WACC) von 5%, anlagenspezifischen
Lebensdauern sowie jährlichen Betriebs- und Wartungskosten in Höhe von 2% der
Investitionskosten.

Die Annahme eines „WACC“ von 5% bedeutet bei 2/3 Fremdkapital mit einer Verzinsung von 1.5% eine Eigenkapitalverzinsung von 12% [1/3 x 12 + 2/3 x 1.5 = 5]. Da die Netzinfrastruktur ein eher tiefes Risiko aufweist und eine langfristige Investition darstellt, scheint diese Eigenkapitalverzinsung im Kontext erneuter Null- oder Negativzinsen „von Vorgestern“.

Dass ein WACC von 5% für Energienetze viel zu hoch ist, hat auch das UVEK längst erkannt und hat auf der Basis einer vorgängigen Studie, den WACC für 2027 auf 3.28 % (von 3.43 % im 2026) gesenkt. Damit ergibt sich mit eher konservativen Annahmen immer noch eine EK-Verzinsung für die Eigentümer von >5.5%:

Netz-WACC 2027 = (5.58 % × 40 %) + (1.75 % × 60 %) = 3.28 %

Die Auswirkungen auf die Kosten der Netzinfrastruktur eines um mindestens +50% [5 / 3.28 = 152%] überhöhtem WACC scheinen für die Energieplanung gewaltig, für die Eigentümerkantone der AXPO jedoch höchst erfreulich.

Die AXPO vertritt die extreme Ansicht, dass die gesamten entfallenden Netzkostenbeiträge durch den Eigenverbrauch von lokal produzierter und lokal verbrauchter PV-Energie als verdeckte, implizite Subvention auf die Kosten der produzierten Energie aus PV-Anlagen umzulegen sei. Mit dem vom UVEK errechneten WACC von 3.28% sollten die von der AXPO auf die Kosten der PV-Energie umgelegten Kosten schon mal um -1/3 sinken.

  1. Kosten der Batteriespeicherung

Der AXPO Energy Report zur „Solar Energy“ ist wirklich sehr schön gestaltet.

In dessen Abschnitt „05 Economic viability“ auf Seite 39 lese ich:

The CAPEX assumptions for battery storage are also based on the 2024 price monitoring study, supplemented by preliminary results from the SFOE regarding price levels in 2025. The study distinguishes between three battery categories: 0–10 kWh, 10–20kWh and 20–30 kWh, for which the CAPEX in 2025 averages 687 CHF/kWh, 571 CHF/kWh und 510 CHF/kWh. These values are used for the low, medium and high costs as the cost ranges for the respective categories are not known.

Wenn man dann liest, dass ein Marstek Batteriespeicher im April 2026 mit 5 kWh Speicherkapazität für den P&P Anschluss an der 230 V Steckdose in Deutschland bereits für 200 EUR/kWh (=180 CHF/kWh) erhältlich ist, stellen sich auch einige Fragen ob die AXPO die Speicherzukunft und deren erhebliche Auswirkungen adäquat eingeschätzt hat.

Haben die Energiexperten der AXPO vielleicht mit massiv überhöhten Kosten [687 / 180 = Faktor 3.8] gerechnet, was letztlich das Ergebnis und die daraus abgeleiteten Empfehlungen für die Zukunft der Energieversorgung gegenüber den Alternativen ziemlich fragil erscheinen liesse?

Der weitere Ausbau von kleinen lokalen Energiespeichern bei privaten PV-Anlagen mag punktuell Sinn ergeben.

Aber noch viel kostengünstiger wäre jedoch in regionale und kommunale grössere und effizientere Energiespeicher zu investieren. Deren CAPEX Kosten sind bereits heute deutlich tiefer. In einem Report von Ember Energie 2025 werden bereits für Oktober 2025 all-in BESS Capex Kosten von 125 $/kWh (=100 CHF/kWh) rapportiert.

With a $65/MWh LCOS, shifting half of daily solar generation overnight adds just $33/MWh to the cost of solar

Dies bedeutet umgerechnet noch eine Belastung von <3 Rp/kWh für eine Verschiebung der halben PV-Produktion vom Tag in die Nacht.

Mit solchen Kosten eines effizienten Systems (fast 6 Mal kleiner als die im AXPO Energy Report ausgewiesen) sowie der zu erwartenden Entwicklung könnten sich die Empfehlungen für das zukünftig günstigste Schweizer Energiesystem vielleicht ganz anders präsentieren. Weshalb nicht?

Solch hohe Differenzen und deren Auswirkungen sollten geklärt werden. Am besten durch eine unabhängige, kompetente Institution. Diejenigen, die an dieser AXPO Studie beteiligt waren oder im Beirat vertreten waren, scheinen jedoch wegen Befangenheit eher wenig geeignet.

Dieser Beitrag basiert auf meinem bisherigen Verständnis des AXPO Energy Reports. Vielleicht sind einige meiner Vergleiche und Einschätzungen nicht ganz korrekt. Gerne würde ich mir dies auch von Fachexperten erklären lassen.

Sehr wahrscheinlich gibt es auch noch weitere diskutable Punkte. Ich freue mich auf eure Kommentare dazu.

Danke für den Beitrag.
Habe den Bericht erst kurz überflogen.
Grundsätzlich ist keiner der Besitzer (mehrheitlich Bund und Kantone) daran interessiert, günstige Strompreise zu haben.
Je höher die Wertschöpfung, desto höher die Ausschüttungen.
Desto mehr Geld steht zur Verfügung, welches die Politik verprassen kann.
50% des Strompreises setzt sich aus Netzgebühren und andern Abgaben zusammen. 50% für die gelieferte Energie.
Je nach Ausbau Szenario der PV-Anlagen und deren Leistungsbegrenzung besteht ein grosses Ausbau Bedürfnis der Leitungen oder ein kleineres.
Bund und Kantone haben es über Jahre verschlafen, den Netzausbau voran zu treiben. Der Widerstand wäre bestimmt vorhanden gewesen.
Das holt uns jetzt ein.
Vor Jahren wollten viele Ihre Wasserwerke verkaufen. Da nicht rentabel.
Meiner Meinung nach hätte man es wie bei den Übertragungsnetzen mit Swissgrid machen und alles verstaatlichen müssen.

Wichtig scheint mir, dass man klar abgrenzt wovon man spricht.
Die Studie diskutiert über die zukünftige Winterstromlücke, wie von dir im 2.Absatz zitiert.
Deine Batteriekosten betreffen die Verschiebung von Tagstrom in die Nacht oder als Verwendung für Regelenergie.

Das scheinen mir zwei komplett unterschiedliche Themen zu sein, die beide sehr wichtig werden aber nur eine sehr kleine Überdeckung haben.

Der Netzausbau wird notwendig sein, wenn man den Bedarf durch die Energiewende mit PV-Anlagen, den E-Fahrzeugen den vielen Wärmepumpen sowie dem Bevölkerungswachstum anschaut.
Die Winterstromlücke ist schon jetzt Realität.
Nicht umsonst habe viele Betriebe, aber auch Gemeinden, Spitäler, Polizeistationen etc. Notstromaggregate für grosse Summen gekauft.

Wie hoch die Rendite und die Ausschüttung an Bund und Kantone sein darf…
Da müsste man Diskutieren und die Rendite schmälern.
Es ist traurig, wie die Wirtschaft und Bevölkerung geschröpft wird.
Jahr für Jahr werden zusätzlich neue Kassen geöffnet.
Habe grad heute die Rechnung für die Gebühren angeschaut

  • Solidaritätszuschlag
  • Winterstrom-Zuschlag und und und…

Ich betrachte den Bericht nur als so kann der Bedarf sein. Setzen wir Zahlen dazu. Das sind längerfristige Prognosen mit sehr viel Luft für Änderungen.

Kopie aus Faltblatt vom Swissgrid:
——
So entsteht das Netz der Zukunft

Alle vier Jahre aktualisiert Swissgrid die Planung für den

Ausbau des Übertragungsnetzes. Auf Basis von Zukunftsszenarien

für die Entwicklung von Erzeugung und Ver-

brauch simulieren die Fachleute, wo sich künftig Engpässe

im Netz abzeichnen und wo der grösste Ausbaubedarf

besteht. So ermitteln sie die notwendigen Netzprojekte.

Bei dieser Analyse stimmen sie sich mit der SBB sowie

mit allen Verteilnetz- und Kraftwerks­ betreibern ab, die ans

Übertragungsnetz angeschlossen sind. Selbst­ verständlich

führt Swissgrid auch eine Kosten-Nutzen-Analyse durch

und verfolgt nur jene Netz­ projekte weiter, bei denen der

Nutzen überwiegt