Blendung durch PV-Anlagen

Blendung durch PV-Anlagen
Konventionell auf bestausgerichteten Süd-Flächen installierte Solarmodule blenden selten: die Sonnenstrahlung wird meistens gegen den Himmel oder allenfalls an Standorte auf einem Gegenhang reflektiert.
Nun werden immer mehr auch Ost-/West- oder Nord-ausgerichtete Dach- oder Fassadenflächen mit PV-Anlagen ausgerüstet. Das Problem „Blendung durch PV-Anlagen“ wird deshalb künftig häufiger auftreten.

Ich kannte das Problem von Dachfenstern auf Steildächern, vor allem mit Ausrichtung gegen Norden (Ost / Nord-Ost / Nord / Nord-West / West). Weil PV-Anlagen eine grössere Dachfläche bedecken, wird das Blend-Problem bei solchen um ein Vielfaches grösser als bei einzelnen Dachfenstern.

Das Ausmass der Blendung ist im konkreten Fall abhängig vom Sonnenstand (Höhenwinkel und Richtung/Azimut), also abhängig von Jahres- und Tageszeit. Der höchste Sonnenstand an einem bestimmten Ort ist täglich immer gegen Mittag. Der Höchststand im Jahr jeweils am 21. Juni (auf der Nordhalbkugel).
Die Blendwirkung im konkreten Fall tritt im Jahresverlauf „zeitsymmetrisch“ zum 21. Juni auf, d.h. die Blendung z.B. 3 Wochen vor dem 21. Juni ist dieselbe wie 3 Wochen nach dem 21. Juni.

Auch wenn moderne Modulgläser „diffus reflektieren“: Die Blendung von Solaranlagen ist in der Wirkung den Reflexionen von Glasfassaden ähnlich. Sie ist nicht generell vernachlässigbar. Klar wird das etwa, wenn die Blendung ein Risiko darstellt für den Strassenverkehr.

Das Potenzial für störende Blendungen kann bereits in der Planung abgeschätzt oder genau berechnet/simuliert werden. Dies ergibt einen bestimmten Planungsaufwand. Ein „Blendgutachten“ hilft Gefahren oder Beeinträchtigungen, die durch eine geplante Anlage entstehen könnten, richtig einzuschätzen. Berechnungen erlauben die Quantifizierung der Reflexionsparameter: wann, wie oft, aus welcher Richtung und wie lange geblendet wird.

Weil wir selber auf einem Nordwest-ausgerichteten Dach (Neigung 45°) eine PV-Anlage mit einer Reihe von 11 Modulen unter dem First realisiert haben (mit übermässiger Blendwirkung über Mittag für den Nachbar) … nun meine etwas hilflose Frage: Welche Möglichkeiten gibt es, die Blendwirkung einer PV-Anlage abzuschwächen oder zu verhindern, wenn die übermässige Blendung erst nach Fertigstellung der Anlage bemerkt wird?
A) beim Modul
B) am Standort der Blendung; B1) hinter Fenster in Küche/Wohnzimmer (vgl. Foto), B2) im Freien
C) Abschirmung dazwischen

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Es gibt spezielle Anti-Glare Module wobei der Ausdruck wohl eher Marketing eines Herstellers ist.
Jedenfalls haben die ein Prisma- ähnliches texturiertes Glas das Reflexionen streut und daher auch an Flughäfen oder Autobahnen installiert werden kann. Erfahrungen dazu habe ich aber keine…

Google mal nach dem Begriff Albarino P von Saint- Gobain… der Aufpreis ist vernachlässigbar…

Das ist natürlich nichts zum nachrüsten…

Schade, dass die Bäume da im Garten nicht 2 m höher sind, dann wäre das „Problem“ mit dem Nachbarn auch gelöst. 5 neue Bäume anpflanzen, nutzt wohl nur der nächsten Generation. Wir haben auch eine zeitweise kurzfristige (!) Blendung durch ein Dachfenster eines Nachbarn. Was stört’s? Man sieht die Sonne wandern :slight_smile:

Die geschilderte Problematik scheint mir schon ein wichtiges Thema, gerade auch wenn es um die Akzeptanz von Anlagen geht. Denn Streit in der Nachbarschaft kann sehr unangenehm sein und es wäre ja oberschade, wenn der entsteht, nur weil eine Anlage vermeintlich blendet (kenne da leider einen Fall in meinem Umfeld - das macht wirklich keinen Spass). Ich habe mich auch noch etwas tiefer versucht zu informieren, bin aber leider nicht auf griffige weitere Massnahmen als Begrünung gekommen. Im Leitfaden von Swissolar (https://www.swissolar.ch/fileadmin/user_upload/Fachleute/Photovoltaik_Leitfaeden/200309_Leitfaden_RPG_Langfassung.pdf) im Anhang findet sich ein ganzes Kapitel über die Thematik. Auch hier werden aber vor allem auf (bauliche) Massnahmen vor der Realisation hingewiesen. Ich finde die Lektüre aber auch insofern interessant, als dass relativ einfach aufgezeigt wird, wie die Blendung physikalisch hergeleitet wird, für Laien wie mich immer spannend :slight_smile:

In meiner Einschätzung wäre es wohl tatsächlich das einfachste, mit der Begrünung am Boden zu arbeiten. Wenn die Blendung sehr störend ist, dann wäre vielleicht ein Sonnendach auch eine Lösung. Das könnte einfach dann gespannt werden, wenn grad „Saison“ für die Blendung ist. Aber Achtung; bei einer fixen Installation braucht’s es praktisch immer eine Baubewilligung.

Ganz viel Erfolg!

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Wir haben im Jahr 2016 eine grosse Inndach-Anlage mit 24.795 kWp auf unser EHF installiert. Diese Anlage wurde mit einer normaler Baubewilligung ausgeschrieben und bewilligt (kein Melde- oder Anzeigeverfahren). Die Anlage wurde sogar in der Bewilligung Bemustert und auch so gebaut, als PV-Paneelen kamen die Megaslatte II der 3S-Solar zum Einsatz. Die Anlage anschliessend von der örtlichen Baubehörden ohne Mängel abgenommen. Im Jahr 2019, fast 3 Jahre nach Inbetriebnahme konfrontierten uns die Nachbarn damit, dass die Anlage eine starke Lichtreflexion zwischen Mitte Mai und Anfangs August am Nachmittag aufweist. Nachdem die Nachbarn einen vom Installateur und uns freiwillig offerieren Sonnenschutz ablehnten, erstatteten diese Anzeige bei der örtlichen Baubehörden. Diese leiteten ein Verfahren ein, in welchem schlussendlich ein Blendgutachten von der Firma Basler-Hoffmann erstellt wurde. Wir wurden darauf hin aufgefordert, den Baubehörden bauliche Massnahmen und deren Kostenfolge aufzuzeigen. Mögliche bauliche Massnahmen wären in unserem Falle der Rückbau (ca. Fr. 45’000.-), eine 8.5m hohe Beton- oder Holzwand (ca. Fr. 40’000.-) oder eine 8.5m hohe Tuja-Heck (ca. Fr. 20’000.-). Alle Stellungsnahmen und Antworten haben wir unter Beizug einer auf Baurecht, insbesondere auf Solaranlagen spezialisieren Rechtsvertreterin fristgerecht eingereicht. Eine Lösung ist leider immer noch nicht in Sicht. Unser Erfahrung, alle reden von der Energiewende, jedoch sind die meisten nicht bereit etwas dafür zu tun und schon gar nicht bereit Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass unser Gemeinde eine Energiestatt ist, jedoch nicht hinter der Sache steht. Auch der Branchenverband Swissolar hatten wir kontaktiert, dieser war aber wenig bis gar nicht hilfreich. Eigentlich gäbe es zu einem fast identischen Fall ein Bundesgerichtsurteil, welche zu Gunsten von Solaranlagen wäre (BGer 1C_177/2011, E. 2.4). Lieber Herr Warthmann, leider werden Sie sich ggf. auf einen schwierigen Kampf mit wenig Unterstützung einstellen müssen.

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Geschätzte Carole, Felistar, Hr. Stärk und Hr. Graf
Vielen Dank für Ihre bisherigen Hinweise und Inputs. Zur Zeit klären wir ab: reflexarme Anti-Glare-Module des Herstellers Soluxtec, Schattensegel und weitere Ideen.

Bei Swissolar habe ich noch gefunden:

  1. Reflexionen an Solarmodulen / Berechnungsgrundlagen und Tipps für die Praxis: https://www.swissolar.ch/fileadmin/user_upload/Tagungen/PV-Tagung_2017/Poster/28_Poster_Reflexion.pdf
  2. Am Di, 10.11.2020 ist in Olten der Swissolar-Kurs „Umgang mit Blendwirkungen“,
    http://www.solarevent.ch/index.php?id=3&no_cache=1&tx_icm_pi1[showUid]=91
    Ich habe mich dafür angemeldet.

Gruss, Peter Warthmann

Lieber Peter

Schau mal, nun gibt es spannende News zum Thema Antireflexfolie! Die Firma Phytonics bringt wohl bald ein neues Produkt auf den Markt:

Aber ich weiss leider nicht, ob sie auch nach der Installation einer Anlage noch angebracht werden kann und ich kann mir vorstellen, dass die Folie noch einige Zeit nicht kommerziell erhältlich ist…

Vielen Dank, Carole! Dein Hinweis kommt im genau richtigen Moment. Bin grad wieder intensiv dran an diesem Projekt. Gruss, Peter