Eigenverbrauch versus Stromspar-Anreiz


(Heini Lüthi) #1

Seit wir eine Solarstrom-Eigenverbrauchs-Anlage haben, gibt’s bei uns mehr Frischback-Gipfeli am Sonntag Morgen. Eigentlich eine unvernünftige Strom-Verheizung, aber wenn die Opportunitätskosten der Rückspeisung kaum 1/2 der sonstigen Bezugskosten sind…
Führt der Eigenverbrauchs-Weg zu einem Fehlanreiz, weniger sparsam mit dem Strom umzugehen? wurde ich gefragt, als ich unser ZEV-Abrechnungskonzept vorstellte, dass Solarstrom tagsüber zum Niedertarif abgerechnet wird. Ja, Eigenverbrauchsoptimierung im Haushalt führt nicht zu einem gesamtsystematischen Optimum. Aber wir Solarfreunde haben uns das Konzept ja auch nicht ausgesucht - es war wohl politisch einfach akzeptierter als die kostendeckende Einspeisevergütung. Eine anständige Rückvergütung wäre durchaus gesamtwirtschaftlich sinnvoller als Solarstrom im eigenen Haus zu verbrutzeln, der zwei Strassen weiter durchaus willkommen wäre.
10…12 Rp/kWh für dezentral eingespiesener Strom, das wäre für PV meist kostendeckend, und der günstigste Weg zum Ausbau der einheimischen Stromproduktion.


(Diego Fischer - Neuchâtel) #2

Wie hoch habt ihr nun den Tarif für den internen Strom genau angesetzt?
Die Frage, zu welchem Tarif der intere Strom verrechnet werden soll, ist effektiv interessant. Falls es Mieter sind, so gibt die Energieverordnung neu vor (ab dem 1.4.2019), dass die Einsparung des internen Stroms gegenüber dem zugekauften Strom mindesten zur Hälfte den Mietern zugute kommen muss (Energieverordnung neu Art.16, Absatz 3).
Im Falle von Stockwerkeigentum ist man im Prinzip völlig frei, man könnte den internen Strom auch gratis abgeben, die Anlage ist ja bezahlt. Trotzdem sollten eigentlich alle einsehen, dass es sinnvoll ist, dies nicht zu tun, sondern einen Tarif so anzusetzen, dass der Strom zwar leicht günstiger ist als der extern bezogene Strom, damit eine Motivation besteht, Verbrauch auf den Tag umzulegen, aber nicht so weit zu gehen, dass zu zusätzlichem Stromverbrauch animiert wird.
Und hier kommt einem effektif ein tiefer Niedertarif total in die Quere, den er zwingt dazu, den Ansatz am Tag (zu) tief zu wählen. Es ist natürlich schon klar, dass der Nachttarif in Zukunft irgendwann verschwinden wird zugunsten eines variablen sonnen- und windabhängigen Tarifs, aber dies dauert noch eine ganze Weile.
Hat jemand eine gute Idee, was man in der Zwischenzeit machen soll in dieser Frage?


(Peter) #3

Ich habe so ziemlich alles erlebt: Von “Net-Metering” (den Fachbegriff kannte man 1990 noch nicht), über verschiedene Rücklieferungstarife, die ersten Zweirichtungszähler, das “Burgdorfer Modell” mit 1 Fr/kWh, die KEV, welche kaum finanzierbar bis in die 30er Jahre weiter Unsummen an Prosumer ausschüttet und endlich von der EIV abgelöst wurde. In dieser Zeit sind die Modulkosten auf etwa 1% gesunken.
Warum ein Neubau immer noch mit Ziegeln eingedeckt wird ist mir unerklärlich. Überschusseinspeisung ist ein Zwischenschritt, aber immer noch besser als das Abregeln im grossen Kanton.
Ganz abgesehen von unsinnigen Speichern, welche nun von Prospekten glänzen und sogar von Versorgern beworben werden. Warum wohl? Um mit sog. “Dienstleistungen” extra Geld zu verdienen, ohne etwas dafür zu tun.
Achja, Stromsparen was ist das? Müsste man mal die abgetretene Doris fragen…
einstein0


(zevvy_Support_Team) #4

Guten Tag

Wir haben bemerkt, dass das Beobachten der Solarproduktion nur bei technische Begeisterten/Versierten eine Wirkung hat. Die finanziellen Anreize müssten schon sehr stark sein um ein Umdenken in nützlicher Frist zu erreichen und liegt wohl im kleinen ein bis zweistelligen Frankenbereich.

Grüsse