Elektrosmog bei PV?


(Heini Lüthi) #1

Manches wird angepriesen zur Verbannung von Elektrosmog bei PV-Anlagen; da gibt es irgendwelche Resonanz-Kleber, die richtig platziert die negativen Wellen positiv ausgleichen sollen. (Habakuk?)

Wichtig ist sicher, dass die Gleichstrom-Kabel ohne Schlaufenbildung verlegt werden - aber das ist Stand der Technik für qualifizierte Installateure. Was die vom Wechselrichter ausgehende “Gefahr” angeht, so habe ich von Messungen gehört, wo kein Unterschied zwischen Wechselrichter ein oder aus festzustellen war. Die Strahlung vom WLAN im Mehrfamilienhaus bzw. jene vom Zaunhüter beim Bauernhof war hingegen signifikant.

Jetzt empfiehlt uns ein Elektrosmog-Berater aber doch, ein leitendes Gitter unter das Modulfeld zu legen - wie viel ist da dran? Das zu erdende Gitter soll wie ein faradaysches Käfig wirken (vielleicht haben wir dann auch einen schlechteren Handy-Empfang…) Der Berater konnte zeigen, dass zwar der Gleichstrom im Modulfeld unproblematisch ist, aber trafolose Wechselrichter würden gewisse Wechselstrom-Frequenzen auf die DC-Seite übertragen. (In der Nacht, wenn der Wechselrichter aus ist, ist’s auch wieder kein Problem mehr…) Wenn’s ein geerdetes Blechdach ist, oder eine Betondecke mit geerdeter Armierung, sei es auch kein Problem, aber wir haben ein Holzdach, und da würde ein Potential zwischen Boden und Modulfeld aufgebaut. Ob jemand sowas spürt, ist nochmals eine andere Frage. (Und WLAN abstellen wäre sicher signifikanter…) Kostet nicht alle Welt - vielleicht 40 CHF/m2 - und vielleicht prüfenswert, wenn man gerade darunter schläft. Gibt es positive oder negative Erfahrungen mit oder ohne so ein Gitter?

(Die Modulrahmen sind zwar geerdet, aber bei trafolosen Wechselrichtern nicht die Zellen selbst. Wäre die Rückseite vom PV-Modul metallisch - bsp thermischer Kollektor auf Rückseite - sollte es auch kein Problem sein.)


(David Galvagno-Erny) #2

Die Fragen sind interessant.

Ich denke es ist wichtig dass eine Debatte zu diesem Thema “Elektrosmog und PV” beginnt, da sich bis heute wenige um das Thema kümmern od. dies beachten, seien dies Bauherren, Planer od. Installateure oder Verbände. Hier braucht‘s von allen beteiligten Akteuren eine Bewusstseinsbildung auf allen Ebenen. PV-Anlagen stehen ja nach der Installation mind. 20-40 Jahre. Es lohnt sich also dass hier Grundlagenarbeit geleistet wird. In Kantonen mit neuen Energiegesetzen/ -vorschriften nach MUKEN 2014 (Energievorschriften der Kantone) wird die Installation zudem neu sogar zur Pflicht erkoren (Alternative ist eine finanzielle Abgabe), was erfreulich ist.

Zu den vermeintlichen Gegenargumenten zählt leider immer wieder: „das WLAN ist viel schlimmer, also lassen wir alle Überlegungen und Vorkehrungen zur Verbesserung der elektrostatischen wie -magnetischen Feldern einfach weil ja alle eh ein Mobil haben und überhaupt“. Hier ist wichtig: die elektromagnetischen Felder eines WLANs sind nicht dieselbe Schuhgrösse wie die von Gleich- od. Wechselstromleitungen od. PV-Anlagen. Das hat nur soviel Gemeinsames, dass beide – WLAN und elektrische Einrichtungen - einen Einfluss auf die Gesundheit der Hausbewohner haben, der jedoch unterschiedlich wahrgenommen wird.

Ich wünsche mir hier Aufklärung von Seiten der Verbände der Elektrobranche wie der Elektrobiologen, Fachleute u.a.:
Wer weiss hier Bescheid und welches sind die wirklich relevanten Zusammenhänge bezüglich der Wahl der Anlagenbestandteile (PV-Module, Wechselrichter, Leitungen DC/ AC, Stromnetz und Rückkoppelungen) und einer Bauweise, welche die Menschen als Hausbewohner möglichst wenig od. nicht belasten? Die Antworten auf diese Fragen sind aus meiner Sicht wichtig und zunehmend dringend.

Eine Diskussion hier in diesem Forum wäre mindestens ein interessanter Anfang.


(Walter Sachs) #3

Ja, Elektrosmog ist ein ganz kompliziertes Thema, und leider ist es bei diesem Thema so, dass man oft gleich in eine “komische Ecke” abgeschoben wird, wenn man darüber redet.
Tatsache ist aber, dass jede elektrische Anlage elektrische und magnetische Felder “abstrahlt”, in allen möglichen Frequenzen (auch DC-Felder), Amplituden und gepulst oder ungepulst. Tatsache ist auch, dass jeder biologische Körper auf vielfältige Weise mit Strom “gesteuert” wird resp. biochemische Prozesse (z.B. Ionenaustausch in den Zellen resp. Zellwänden, Kaliumpumpen etc.) oftmals auf elektrischen Potentialdifferenzen beruhen. Und Tatsache ist auch, dass biologische Systeme als Antennen wirken können, dies mehr oder weniger gut.
In diesem Sinne ist es bestimmt sinnvoll, E-Smogarm zu bauen, sei es, dass eine Schleifenbildung vermieden wird (indem z.B. die DC-Leiter nahe beieinander gelegt werden), sei es durch Wahl des “richtigen” Wechselrichters, der z.B. nachts die PV-Module komplett netzfrei schaltet, sei es durch richtige Erdung etc.
Nebst den Auswirkungen auf die Biologie gibt es auch Auswirkungen auf technische Systeme, so kann z.B. ein WR durchaus mit seinen Oberwellen die Elektronik des Nachbarhauses beeinflussen.
Die Frage von Heini kann man so pauschal wohl schlecht beantworten, man kann im Bereich E-Smog auch schnell mal eine “Verschlimmbesserung” erreichen.
Haben hier andere schon Erfahrungen gemacht?


(Walter Sachs) #4

Hier noch der Link zu einer Literaturstudie des BAFU zum Thema: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/fachinformationen/elektrosmog-quellen/photovoltaikanlagen-als-elektrosmog-quelle.html


(Heini Lüthi) #5

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So sieht jetzt also so ein Schutzgitter für unter die PV-Anlage aus. Wobei ich mich frage, ob dieses nicht besser unter dem Schutzvlies verlegt worden wäre - wenn hier direkt das Kies drauf kommt, mag die Lebensdauer von dem feinen Gitter begrenzt sein.


(Diego Fischer - Neuchâtel) #6

Zu was dient dieses Gitter?


(Walter Sachs) #7

wie ist die Erdung des Gitters ausgeführt? Aus welchem Material ist das Gitter und: kommt dann die Unterkonstruktion der PV-Anlage direkt auf das Gitter?


(Heini Lüthi) #8

Das Gitter bildet gewissermassen eine Faradaysche Käfigwand. Bei WR ohne Trafo mögen gewisse AC Frequenzen auf die DC Seite übertragen werden. Und da die Zellen/Modulrückseite nicht geerdet ist, misst das Strahlungsgerät tatsächlich was. (Ob die Strahlung stört, ist eine andere Frage - und wenn der WR nachts die AC Seite ganz trennt, ist‘s nur tagsüber ein Thema.) Wenn zwischen PV und Schlafzimmer eine geerdete armierte Betondecke, Blech o.ä. ist, ist die Strahlung auch abgeschirmt. Aber wir haben ein Holzdach (und sensible Nachbarn). Also… Gitter wird an den Potentialausgleich der PV Anlage angehängt. (Deshalb hat‘s der Monteur auch auf‘s und nicht unter‘s Vlies gelegt.) Material/Produktdetail muss ich nachschauen, Empfehlung von https://urs-raschle.ch


(Hab ich ) #9

hehe… ich muss dich leider etwas enttäuschen. Ob, wie, und wie stark ein Wechselrichter strahlt hat nicht unbedingt mit galvanischer oder nicht galvanischer Trennung zu tun (Trafo oder nicht). Üblicherweise wird bei Elektrosmog ein hochfrequenter Anteil angenommen. Dieser kommt aus dem DC- Steller und ist üblicherweise vor dem Trafo (also DC- Seitig)
Was hier wohl angesprochen wurde, ist der 50Hz Anteil bei einem 1phasigem traflosem Wechselrichter. Hier schwingen die Potentiale der DC- Seite gegenüber Erde mit 50 Hz und identischer Amplitude wie im Netz mit. Ein 3Phasiger Wechselrichter ist da relativ neutral. Bei der Anlagengrösse wird sicherlich ein Mehrphasiger Wechselrichter eingesetzt.

Ob das Modul (Hersteller, Typ, Aufbau) einen Einfluss hat? Kaum vorstellbar, bis unmöglich. Auch die Art der Verlegung der DC- Kabel ist hier nicht extrem trivial!.

Problematischer ist da eher:

  • Mikrowechselrichter (die eine deutlich schwächere Norm pro Gerät und nicht pro Anlage erfüllen müssen)
  • Geräte mit >30kW (hier gilt automatisch die Norm für Industriebereich, Störaussendung für Wohnbereich, Geschäfts- und Gewerbebereiche sowie Kleinbetriebe wäre freiwillig)
  • Geräte mit Optimierer die draht- gebunden kommunizieren (vergleichbar mit einem PLC, Powerline)
  • Günstige grössere Geräte aus China

Kann so ein Flies Sinn machen?
Nein, da der “Smog” so klein ist das er weder messbar und somit nachweisbar wäre.

Kann so ein Flies eine Verbesserung bringen?
Ja, ganz bestimmt, das wäre Elektrotechnisch zu erklären.

Und wenn nicht?
Sollte der Betreiber ein besseres Gefühl hat, go for it.

Meine ganz persönliche Meinung: Ich glaube du holst dir damit mehr Störungen rein. Eine am Potentialausgleich also geerdete grosse Fläche wird dir alle Störungen/Ableitströme auf der Erde wie einen Antenne aussenden. Muss nicht, könnte aber theoretisch… .