Ich fahre mit Solarstrom

Heute Abend hatte unser Staatsfernsehen „Schweiz aktuell“ wieder einmal Tomaten auf den Ohren.
Natürlich mit der Bahn ins Skigebit anreisen, was für ein Unsinn!
Dabei sitze ich regelmässig im BEV vor Bahnschranken: Wer sitzt im Zug?
Vielleicht zwei, oder ein halbes Dutzend Fahrgäste?! Hauptsache beleuchtet und geheizt
-und im Viertelstundentakt. Die Lok verheizt Strom im Megawattbereich, Hauptsache CO2 frei. Haha!
Wir fahren seit über 10 Jahren elektrisch: CO2-frei, komfortabel, bequem und günstig!
einstein0

Ist doch super!
Jeder der in der Bahn hockt, verstopft die Strasse nicht mit dem Auto.
Dieses Jahr haben wir einen Ausflug mir Bus und Bahn gemacht.
(Damit ich es nicht völlig verlerne.)
Die Bahnfahrt war super. Aber jeder Chauffeur eines Kieslasters fährt mit dem LKW ruhiger und angenehmer, als der Buschauffeur mit dem gefüllten Bus.
Preis-Leistung ganz klar nicht erfüllt.

Ich fahre seit Februar wieder autark mit Solarstrom, normalerweise habe ich die Anlage auf Überschussladen (min 2400w) eingestellt, heute musste ich aber feststellen, das es Wetterlagen gibt, die dafür suboptimal sind. Ich will nicht, dass das Laden andauernd ein und ausschaltet, respk. von 1Phasig auf 3 Phasig umschaltet. Daher habe ich dann manuell gesteuert. So hatte der Hausakku mal wieder was zu tun gehabt.

Gibt es einen tieferen Grund, die Ladeströme nicht der verfügbaren freien PV-Kapaztität nachzuführen? Wir haben hier 3 Ladestationen, welche immer dann die eingesteckten Fahrzeuge parallel laden, wenn PV-Überschuss besteht - mit wählbarem Profil. Beim Nur-Solar-Profil wird pausiert, wenn der Energiesaldo ins Minus fällt (bsp. wenn Boiler oder Wärmepumpe laufen) und dann ab der Minimalleistung von 6A bis 16A einphasig oder 24A dreiphasig hochgefahren (Maximum 30A). Reicht das nicht, wird beim Nicht-Solar-Profil mit 6A (resp. 8A beim Zoe) fertiggeladen (beim Nachttarif immer dreiphasig). In den letzten 3 Monaten konnten wir damit 68% der Ladungen rein solar abdecken (MFH mit 7 Wohnungen, 30 kWp Anlage, 3 Elektrofahrzeuge, 800 kWh Ladeenergie).
Ich habe diese Steuerung entwickelt, damit trage ich Mitverantwortung, dass dies die Fahrzeuge goutieren - deshalb meine Frage: Kann ich weiterhin den Leuten empfehlen: „einparken, anschliessen den Rest die Steuerung machen lassen“?

Hoi Marcel, lass dich von meiner Idee nicht verunsichern, das ist bei mir nur Gefühlssache und ich war zu Hause und habs gesehen und daher umgestellt, ansonsten wärs wie immer gelaufen. Was wohl nicht falsch ist, zwischen 1 und 3 Phasig umschalten eine kurze Pause, da habe ich 1 Min eingestellt. Hast du das ganze voll Automatisiert, also Nur Solar Profil und nicht Solar Profil. Oder wie schaltet das um ? Was ich nicht verstehe, du hast bis 16A nur 1 Phasig ? das wären ja 3.6kW statt 11kW, was ist da der Grund ? Machst du das, damit alle Autos was abbekommen ? Hab auch gerade geschaut, ich habe gemäss SM seit 1 März 431kWh verladen und mit damit zu 100% mit PV Strom unterwegs gewesen.

Hoi Lukas, danke, ich bin beruhigt.
Ich verwende die go-e HomeFix (inzwischen gibt es neuere Modelle, die jedoch API-kompatibel sind) und steuere diese mittels HTTP API aus Node Red an. Diese Wallbox erlaubt verschiedene mit RFID-Chips anwählbare separate „Zähler“, die in der App beschriftet werden können. Ich lese die Beschriftung des aktiven Ladeprofils aus. Beginnt dieses mit einem Stern, wird nur bei Solarverfügbarkeit geladen. Hinter dem Stern kann man noch eine Ziffer zwischen 0-9 eingeben, die definiert, um wieviele A der Ladestrom ab dem Minimalstrom hochgefahren wird, sollte es der Solarüberschuss erlauben.
Die Ladestationen sind jeweils mit rotierter Phase angeschlossen, das ist so vorgeschrieben. Mehr als 16A darf man meines Wissens einphasig nicht beziehen, aber das wäre parametrisierbar. Die Logik entscheidet, ob es für alle angeschlossenen Fahrzeuge zum Laden reicht, wenn nicht, wird nur eines nach dem anderen geladen. Einphasig wird immer tagsüber geladen, wenn der Solarertrag nicht ausreicht - sobald die Sonne es erlaubt (und WP sowie Boiler/Haushalt nicht mehr an der Reihe sind), wird dann auf dreiphasig umgeschaltet. Die Steuerung wählt bevorzugt jene Fahrzeuge aus, welche einen hohen Variationsbereich (z.B. *6) eingestellt haben, berücksichtigt aber auch, ob ein Fahrzeug einen hohen Startstrom benötigt (z.B. Renault Zoe). Laufen die Ladevorgänge mal alle, wird periodisch der Ladestrom möglichst gleichmässig für alle Fahrzeuge nachgeführt.
Nicht ganz einfach war die Erkennung, ob die Fahrzeuge denn wirkich auch den ausgegebenen Befehlen für die Strommodulation folgen. Gegen Ende des Ladezyklus verhalten die sich recht unterschiedlich. Ich habe eine Round-Robin Loop, welche nur ca. alle 30 Sekunden einen Befehl an ein Fahrzeug ausgibt, um deren Steuerung nicht zu überfordern. Es gab da schon ein paar Unwägbarkeiten, aber inzwischen klappt alles bestens.

Vielleicht jetzt ein wenig aus dem Kontext. Da in den Medien vor allem Kritisch respk. Negativ über die Entwicklung bei den E Auto verkäufen berichtet wird. Ich glaube, das früher oder später, jeder der eine PV Anlage hat und rechnen kann, ein Elektroauto kaufen wird, spätestens wenn die Einspeisevergütung (noch mehr) sinkt. Ich sehe es in der Nachbarschaft, im Winter wurde die PV montiert, ein paar Monate später steht der 3008 e vor dem Haus. Auch sonst, fällt mir das auf, im Winter noch gedacht, da würde ein E Auto auch Sinn machen, heute stehen 2 da. Nur weil diese neuen E Auto Besitzer das nicht gross in die Welt posaunen heisst es nicht, das die lauten Skeptiker recht haben. Bei dieser Transformation bin ich optimistisch.

Als Pensionierter schaue ich aus dem Fenster und wenn der Messwert in der Wohnung, oder in meinem Labor ein paar hundert Watt ins Minus driftet, stecke ich eines unserer BEV’s an, falls die nicht schon vollgeladen sind.
Auf den Haushaltverbrauch nehme ich keinen grossen Einfluss, aber meine Mitbewohner wissen über mein Strommanagement Bescheid.
Dagegen stehen die Versorger noch in den Kinderschuhen. Anstatt den Doppeltarif endlich zu invertieren, werden immer noch mehrere Register verarbeitet. Die längst veraltete Rundsteuerung könnte ebenfalls flexibler programmiert werden, anstatt alle Boiler im Quartier nachts in derselben Minute anzuwerfen.
Das Hauptproblem liegt jedoch beim Konsumenten. Die Wenigsten sind elektrotechnisch bewandert, wissen nicht, wie man Strom berechnet.
Dabei gaukeln die Medien Stromlügen vor, oder werben für Batteriespeicher.
Zugegeben, das dynamische Ausregeln eines Haushaltverbrauchs ist anspruchsvoll, wenn der Strom vermeintlich aus der Steckdose kommt.
einstein0

Haben die Versorger denn einen Grund inovativ zu sein. Sie sind im Monopol, solange die Netze halten und selbst wenn nicht, der Kunde zahlt. Wenn dann neue AKWs ans Netz gehen wirds sicher günstiger :wink: Verstehe auch nicht wieso sie nicht die Tarife an die neuen Gegebenheiten anpassen. Letzte Woche war der Strom in der Nacht durchgängig teurer als am Tag (von den Spitzen um 8 und 19Uhr abgesehen) aber Niedertarif (wo noch vorhanden) beginnt immer noch, bei uns, um 2000 Uhr. Allerdings würde ich unser EW wirklich nicht als state of the art anschauen was Invoation angeht.

Habe gerade eine Info erhalten von den Bernischen. Dass sie rückwirkend den HKN um 3,5 Rp erhöhen -freiwillig. Haha, dabei zahlt Swissgrid den HKN. Also lügen sie sich wieder in den eigenen Sack…
einstein0

Hallo Peter
In unserer Einstellhalle stehen seit zwei Jahren drei BEVs (7 Wohnungen), die Erschliessung wurde für alle Einstellhallenplätze gemacht. Ich habe eine Steuerung gemacht, welche „reines Solarladen“ erlaubt. Das Fahrzeug wird einfach beim Parkieren eingesteckt und die Steuerung macht den Rest. Die BEVs sind ideal, um in 1A - Schritten den Solarüberschuss zu absorbieren, nachdem alle anderen Verbraucher (Elektroboiler, Wärmepumpe, Haushalt) versorgt sind. Im Jahresmittel können wir so 44.6% der Ladeenergie mit eigenem Solarstrom abdecken, entsprechend 19.25 Rp/kWh (Mai bis August: 86.5 % Solar, entsprechend einem verbleibenden Ladetarif von 5.08 Rp/kWh bei einem Liefertarif von aktuell 39.07 Rp/kWh).
Die Steuerung (NodeRed) schaltet zwischen ein- und dreiphasigem Laden um und schaltet Ladepausen ein wenn nötig; bevorzugt jene Fahrzeuge, welche einen weiten Strombereich beim Laden eingestellt haben und schaltet um zwischen seriellem und parallelem Laden der Fahrzeuge.