Reinigung von PV-Anlagen


(Heini Lüthi) #1

Ich bin kein PV-Reinigungs-Experte, doch die Vielfalt der Reinigungs-Varianten, die uns über die letzten 3 Jahre auf 5 PV-Anlagen mit 86 bis 400 kWp angeboten wurden, veranlasst mich zu einem Erfahrungsbericht. Wie sind eure Erfahrungen?
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Reinigungsmittel?
Nur ein Solar&Dachbauer hat uns eine Reinigung mit einem Reinigungsmittel angeboten - und genau so überzeugt argumentiert wie all jene, die ausschliesslich mit enthärtetem Wasser arbeiten. ABBAvolt entfette und entferne Schmutz aller Art auf der Oberfläche von Solarmodulen und Dachfenstern. Das Mittel wird mit nicht-enthärtetem Wasser verdünnt, aufgesprüht und anschliessend mit Wasser abgespült. Nicht-enthärtetes Wasser hinterlässt auf PV-Modulen üblicherweise Kalk - aber der Anbieter war überzeugt, dass enthärtetes Wasser bei dem Mittel den Reinigungseffekt nur minimal verbessern würde. Mit einer gewissen Skepsis beobachten wir, ob diese Reinigung nun länger wirkt als andere. Grundsätzlich spricht einiges für die Reinigung nur mit enthärtetem Wasser, insbesondere wenn das Dachwasser ungereinigt in Gewässer / die Umgebung fliesst.

Reinigungs-Equipment
Wasser-Enthärtungs-Kartuschen kamen bei allen anderen Reinigungen zum Einsatz. Drei Anbieter haben mit Hochdruck gearbeitet, d.h. der Wasserdruck aus einem Hochdruck-Reiniger treibt eine rotierende Bürste an. Entsprechend sind lange Hochdruck-Schläuche nötig (Beispiel: www.cleanup-reinigungstechnik.de/rotierende-buersten/). Rotierende Walzen an langen Carbon-Stangen scheinen uns praktisch, andere arbeiten mit mehreren flachen, runden Bürsten nebeneinander. Ein letzter Anbieter kam mit Bürsten, die mit einem kleinen Benzin-Motor angetrieben sind (Strato, www.strato.ch/solarreinigung_geraete.htm). Das scheint uns etwas schwer und „unsauber“, anderseits spart man sich den Hochdruck-Reiniger: Unabhängig vom Wasserdruck rotieren die Bürsten schnell, das Wasser ist in einem normalen Schlauch geführt.

Der letzte Anbieter wollte uns auch unbedingt eine Roboter-Reinigung beliebt machen. Nur mit Mühe konnte oder wollte er diese jedoch zum gleichen Preis anbieten wie eine manuelle Reinigung. Für den Arbeiter ist es sicher angenehmer, nur einen Joice-Stick bedienen zu müssen, statt Bürsten hoch und runter zu wischen. Aber es braucht so oder so 2 Personen auf dem Dach, einer der die Wasserschläuche führt - und alleine wegen der Sicherheit. Der Roboter ist schön - und funktioniert elektrisch mit Batterien - doch wenn die Reinigung damit nicht günstiger ist, scheint es vorerst primär eine Spielerei.
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Wichtiger als die Spielerei ist doch die „Gründlichkeit“. Egal welches Gerät eingesetzt wird - ein Reiniger mag einmal über die Anlage fahren und seine Pflicht als erledigt sehen. Oder aber oft ist ein zweiter Durchlauf nötig, um alle Rändchen und hartnäckige Punkte sauber zu kriegen. Es ist sinnvoll, zumindest abzusprechen, was man vom Reinigungsunternehmen erwartet.

Ob 100 oder 200 kWp - soweit hat fast jede Reinigung rund einen Tag mit 2 Personen beansprucht und rund 2000 CHF gekostet. Das Einrichten - wo ist der Wasseranschluss, wie kommt das Equipment auf das Dach - beansprucht einiges an Zeit. Modulreihen auf einem Flachdach mögen aufwändiger sein als grosse Flächen. Schrägdächer mögen mit rotierenden Bürsten gut von einer Hebebühne aus bearbeitet werden - auf jeden Fall ist der Absturzsicherheit Rechnung zu tragen.


(Klaus Stärk) #2

Hallo Herr Lüthi,
auf einer Baumesse hat man mir gesagt, dass generell mit vollentkalktem Wasser (Deionat) gereinigt werden soll. Nie (!) mit teilentkalktem Wasser und schon garnicht mit Hahnenwasser. Die Chemiker in meiner alten Firma haben mir das bestätigt! Der Reinigungseffekt mag gleich sein, aber was ist hinterher? Durch die etwas unterschiedliche Stromproduktion für jedes Jahr ist es nicht so einfach festzustellen, wieviel die verschmutzten Panels an Leistung nachgelassen haben und wann es sich definitiv lohnt, die (teure) Reinigung in Betracht zu ziehen. Wenn man Dachfenster (gleicher Winkel und gleiche Ausrichtung) zwischen den Panels hat, lässt sich der Verschmutzungsgrad dort gut abschätzen. Wir hatten im Frühjahr (nach 4 Jahren Betrieb) ein Hagelunwetter mit erbsengrossen Hagelkörnern, die auf den Dachfensterscheiben zerplatzt sind. Schöner bekommt man mit keinem Gerät die Reinigung hin! :smiley:


(Robert Kröni) #3

Es gibt auch Anbieter - zum Beispiel Toggenburger - die eine Bürste an einem Lastwagenkran montiert haben und dann vom Boden aus die Anlage putzen. Gut für Schrägdächer, die von vorne einigermassen zugänglich sind.


(Peter) #4

Ich betreibe seit >30 Jahren PV-Anlagen und habe noch nie ein Modul gereinigt, betreibe aber auch keine Anlagen neben Bahnlinien, oder unter Flughäfen.
Ich denke in Mitteleuropa übernimmt dies der normale Niederschlag…
einstein0