Kundenschnittstelle der "Intelligenten Messsysteme"?

In der StromVV 2017, gültig ab 1.1.2018 steht in Art. 8a zu den „Intelligenten Messsystemen“:

1 Für das Messwesen und die Informationsprozesse sind bei Endverbrauchern, Erzeugungsanlagen und Speichern intelligente Messsysteme einzusetzen. Diese bestehen aus folgenden Elementen:


3. Schnittstellen aufweist, insbesondere … und eine andere für den betroffenen Endverbraucher, Erzeuger oder Speicherbetreiber, die ihm mindestens ermöglicht, Messwerte im Moment ihrer Erfassung sowie … abzurufen, …

Viele wären bestimmt dankbar, wenn diese Schittstelle gut dokumentiert und normiert zur Verfügung stehen würde. Aktuell scheinen Elektriker noch keine Informationen der EVU dazu erhalten zu haben. Der Einbau eines zusätzlichen privaten Zählers ist dem Umsatz der Volkswirtschaft bestimmt förderlich, scheint aber ökonomisch wenig sinnvoll. Auch eine direkte Nachfrage beim Kundendienst eines EVU ist bisher nur mit „wir haben Ihre Frage intern weitergeleitet“ beantwortet worden.

Nutzt jemand bereits diese Kundenschnittstelle?
(Die StomVV ist ja bereits seit 2 Jahren in Kraft)

Nun, der Gesetzgeber verlangt ja von den Versorgern auch, dass sie Solarstrom entgegennehmen müssen, zahlen brauchen sie dafür nicht. Trotzdem wollen sie nicht nur an unserem eingespeisten sauberen Solarstrom mindestens 500% verdienen, sondern an überteuerten Zusatzgeräten -und Dienstleistungen. Die Zähler sind bereits für solche Signale eingerichtet, aber gem. BKW könne ein Zusatzadapter erworben werden, um diese Signale privat weiterverarbeiten zu können. Es wurde mir ein Preis von rund 150 CHF genannt.
Ich betreibe jedoch einen privaten Bi-Zähler mit Stromwandlern dafür. Dieser hat Modbus-Ausgang, sowie S0 import und S0 export.
einstein0

Modernere Zähler sog. Smart-Meter sind sogar in der Lage durch Fernabschaltung den Verbraucher vom Netzanschluss zu trennen. Doch in der Schweiz haben die Versorger einen Versorgungsauftrag und dieses Vorgehen wird in weiten Kreisen kritisiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenter_Zähler#Kritik
einstein0

Bei Energiezählern von L+G wird offenbar eine ziemlich archaische physikalische Schnittstelle via Mbus mit 2400 Baud und weiteren Protokollen von den EVU angeboten. Dokumentation ist nahezu inexistent. Ein separates smart-me Gerät kann in Absprache mit dem EVU angeschlossen werden um einige Zählerwerte mit einer Frequenz von 0.0167 Hz via smart-me Cloud auf eine Handyapp zu bringen.

Elster Zähler bieten hingegen eine DSMR Schnittstelle, die sogar eine Speisung von 5V und max. 250 mA bietet, womit auch ein WiFi Adapter betrieben werden könnte. Die DSMR Spez. ist vom niederländischen Regulator detailliert beschrieben und als zwingend für alle Smartmeter Lieferanten für NL vorgeschrieben worden. Version 5.0.2 der DSMR Spez. (vom 26. 2. 2016) fordert eine Aktualisierungsrate von 1 Hz bei einer Baudrate von 115200. Diese kundenfreundlichen, standardisierten, liberalen und öffentlich publizierten NL Anforderungen hatten recht positive Auswirkungen auf die Entwicklung des NL Marktes und verschiedener nützlicher Anwendungen. Einige NL Nachbarländer haben diese Schnittstelle ebenfalls adoptiert.

Beide dieser Schnittstellen erlauben leider keinen selektiven Abruf der Daten wie in der StromVV explizit gefordert. Das EVU kann hingegen ein Profil definieren, welche Daten periodisch über diese Schnittstellen ausgegeben werden.

Auf Nachfrage wurde mir von einem EVU mitgeteilt, dass die übrigen erforderlichen Daten gemäss StromVV, wie die reaktive Leistung oder die Lastgänge, nur über die zusätzliche bidirektionale optische Schnittstelle (DLMS) abgerufen werden könnten. Dies mit einer obskuren Begründung, dass die StromVV nicht verlange, dass alle Daten nur über eine einzige Kunden-Schnittstelle abgerufen werden können müssen.

Der Bundesrat und die Energiekommissionen von NR + SR sollten sich m. E. bei dieser Lage überlegen, ob es wirklich ökonomisch sinnvoll ist, die extrem liberale Haltung in dieser Sache alleine dem Markt und den Gerichten zu überlassen?

Das StromVG soll ja nun demnächst endlich nochmals revidiert werden.

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Das Walliser EVU EnBAG hat die Kundenschnittstelle und die mit max 0.2 Hz gelieferten Daten seiner L&G E450 Smartmeter hier publiziert (Bravo!):

Die Hürden zu deren Nutzung sind jedoch so hoch, dass ein durchschnittlicher Kunde dies kaum alleine schafft:

  1. Wünscht der Kunde die Aktivierung der Schnittstelle, so wird sie aktiviert.
  2. Ein kryptografischer Schutz gewährleistet die Privatsphäre und Echtheit der Daten.
  3. Die Datenübertragung erfolgt mittels DLMS/COSEM.
  4. Die Spezifikationen mit Angabe der Kommunikationsebenen, des Sicherheitskonzeptes und der Zugangsberechtigungen sind mit der Unterzeichnung eines NDA (non-disclosure agreement) bei der L&G erhältlich.
  5. L&G stellt Interessierten für Eigenentwicklungen zur Nutzung der Schnittstelle weitere Informationen zur Verfügung und bietet Support an.

Dass ein NDA unterzeichnet werden muss, um Zugang zu seinen eigenen Daten zu erlangen, erfüllt wohl kaum den Willen der Legislative sowie von Art 8a der StromVV 2017. Wäre es nicht die Pflicht des EVU, mindestens die vollständige Spezifikation seiner Kundenschnittstelle den Kunden auch zur Verfügung zu stellen?

Solche Schnittstellendokumentationen gehören öffentlich zugänglich publiziert, wie dies der NL Regulator mit der kundenfreundlichen DSMR P1 Spezifikation seit vielen Jahren exzellent praktiziert.